Doc Holiday

Der Zahnarzt der keiner war.

Das Leben des John Henry Holliday ist noch heute über weite Strecken geheimnisumwittert. Die Filmindustrie machte aus ihm den typischen Berufspieler des Westen - ein Beruf, der in diesen Tagen nicht ungewöhnlich und nicht ehrenrührig war ja, sogar ein gewisses Ansehen genoss.
Das war Holliday nicht. Seine Zeitgenossen liebten ihn nicht, sie respektierten ihn nicht einmal, sie fürchteten ihn nur, und viele hassten ihn.
Er wurde am 14.08.1851 geboren. Das ist in der Familienbibel des Vaters aufgeschrieben. ( Diese Information habe ich aus dem Buch "Doc Holiday - A Familiy Portrait von Karen Holliday-Tanner). Die erste amtliche Eintragung über ihn findet sich im Kirchenbuch von Griffin Georgia. Dort steht verzeichnet, das das Ehepaar Henry B. und Alice Jane Holliday am 21. März 1852 ihr wenige Monate altes Bay auf den Namen John Henry taufen liessen. Der Junge wuchs in Valdosta auf, wo die Familie Holliday kurz nach der Geburt des Kindes ansässig wurde. Sein Vater, Henry B. Holliday, gehörte zu den Honoratioren des Ortes und erwarb sich nach dem Bürgerkrieg grosse Verdienste um den Wiederaufbau der Stadt. Er wurde Bürgermeister von Valdosta. Noch Heute erinnert eine "Henry-Holliday-Strasse" an ihn.Das war Er. John litt unter der übermächtigen Persönlichkeit des Vaters und schloss sich stark der Mutter an. Als diese 1866 starb, wurde der Junge immer verschlossener und kapselte sich mehr und mehr von seiner  Umwelt ab. Ein Charakteristikum, das später auch beim erwachsenen Spieler und Revolvermann Holliday zu beobachten war.
Zur zweiten Frau des Vaters fand er keinen Kontakt, so strebte er danach, das Elternhaus bald zu verlassen. Hier setzen die Legenden über ihn an, die sich besonders um seinen " Doktorgrad" ranken. Jahrelang galt die These, Holliday habe nach der Oberschule das " Dental College" in Boltimore besucht und sei dort zum Zahnarzt ausgebildet worden. Es gibt in den Unterlagen dieser heute noch existierenden Universität aber nicht den geringsten Hinweiss, das jemals ein Schüler namens John Henry Holliday die Schulbank gedrückt hat. Sein Name taucht in dem Archive der Schule, in dem sich Unterlagen über jeden Schüler befinden, nicht ein einziges mal auf. Statt dessen verzeichnet das Melderegister von Dallas, Texas, das Holliday im Jahre 1873, in dem er angeblich in Boston studierte, in dieser Stadt lebte John Henry Holliday arbeitete als Gehilfe beim Zahnarzt Dr. John A. Seegar und liess sich zum Dentisten ausbilden.


Dieses Werkzeug bringt uns heute noch zum fürchten.Chirugenkoffer US Bürgerkrieg Aber wer richtig Schmerzen hat zahlt sogar noch 10.- € In diese Zeit fällt auch der Beginn seiner Erkrankung. Bei einem Bordellbesuch infizierte er sich mit der Tuberkulose, einer Krankheit, die zu jener Zeit noch unheilbar war. Für den einundzwanzigjährigen war die Erkenntnis, ein Todeskandidat zu sein, nur noch auf Frist zu leben, ein schwerer Schock. Sein Wesen veränderte sich. Er liess sich mehr und mehr gehen, begann zu trinken  und widmete sich immer stärker dem Pokerspiel, für das er nahezu eine teuflische Begabung besass. Er war von nun an mehr an den Spieltischen der Saloons zu finden, als in der Praxis seines Lehrmeisters. Das konnte nicht ohne Folgen bleiben. Holliday verlor seine Arbeit und   sackte nun völlig ab. Er hatte vom Leben nichts mehr zu erwarten, und es schien, als suche er den schnellen Tod, um dem langsamen, qualvollen Auszehrungen durch seine Krankheit zu entgehen. Er verfiel vollends dem Alkohol und wandelte sich zu einem Mann ohne Skrupel und Hemmungen.
Blick in einen alten Zahnarztkoffer. Er ging keiner Herausforderung mehr aus dem Weg. Er trug nun Waffen, und benutzte sie auch, wobei sich herausstellte, das er im Umgang mit seine vernickelten Colts die gleiche Begabung besass, wie im Umgang mit den bunten Spielkarten. Er schoss schnell und sicher, und die Zeitungen gaben ihm den Spitznamen " The deadly Dentist". Am Neujahrstag 1875 geriet er mit dem Kneipenbesitzer Charles W. Austin in einen Streit, der zu einer Schiesserei ausartet. Beide Männer waren betrunken. Das mochte der Grund gewesen sein, das keiner verletzt wurde. Beide wurden zur Ausnüchterung ins städtische Gefängnis eingeliefert. Nach dieser Affäre verliess Holliday Dallas und vagabundierte als Spieler durch das Land.
Wenige Monate später tauchte er im Fort Griffin auf, wo er eine Frau traf, die in den folgenden Jahren seine ständige Begleiterin und später seine Ehefrau wurde. Sie hiess Kate Halder und war eine ehemalige Prostituierte. Alte Spritze Leider konnte man früher noch nicht betäuben.

Hier wurde Holliday am 12. Juni 1875 zusammen mit einem anderem Berufspieler, Mike Lynch, wegen Falschspiels verhaftet und gegen Kaution freigelassen. Danach verliess er mit seiner Frau die Stadt, sass an den Spieltischen von Fort Concho und Fort Davis und erschoss 1876 in Jacksboro einen Soldaten, der ihn des Falschspiels beschuldigte. 1877 war er wieder in Fort Griffin. Er besass bereits einen gewissen Ruf als Spieler und Killer, und traf auf Wyatt Earp, der ebenfalls an den Pokertischen von Fort Griffin seinen Lebensunterhalt verdiente. Wie die beiden Männer sich kennen lernten, liegt im Dunkeln. Bekannte von Earp wunderten sich jedoch stets über die Freundschaft der beiden. Earp blieb der einzige Freund, den der schwindsüchtige Dentist je haben sollte. Zusammen mit Kte Elder zog Holliday nach Santa Fe. Er erschoss drei Männer und musste die Stadt verlassen. Im Sommer 1878 tauchte er in Dodge City auf, wo er abermals mit Wyatt Earp zusammentraf. Mit solchen Koffern, zogen junge Ärzte und angehende Chirugen gern in den Krieg, Chirugenkoffer US Bürgerkrieg weil sie da noch etwas lehrnen konnten. Holliday verdiente als Zahnarzt in Dodge City keinen Cent. Er war ständig betrunken, und schon nach wenigen Tagen erschienen keine Patienten mehr. Kurz darauf zog er darum wieder weiter und mietete sich im März 1879 in einem Saloon von Las Vegas einen Spieltisch. Als er hier den Saloon-Keeper Charles White erschoss, nannten ihn die örtlichen Zeitungen einen "Killer" und professionellen Halsabschneider. Am 19. Juliy 1879 stürmte der angetrunkene Berufspieler Mike Gordon in den Saloon, in dem Holliday arbeitete, um seine Geliebte, die im gleichen Etablissement als Tänzerin arbeitete, zu ermorden. Er feuerte wild um sich, wobei er Holliday von einer Kugel gestreift wurde. Darauf zog dieser seine Waffe und tötete Gordon auf der Stelle. Holliday musste die Stadt verlassen. Als ihn Ende des Jahre die Nachricht von Wyatt Earp erreichte, das in Tombstone, fette Pfründe warteten, zögerte er nicht, dem Ruf folge zu leisten Zusammen mit seiner Frau machte er sich auf den Weg nach Tombstone. Doch davon berichte ich irgendwann mehr.


Apotheke in John Gun´s World
Blick in eine Reiseapotheke Die Bilder stammen von Frank und Andrea Zonak.
Fotografiert im Quickborner Blackpowdercamp 2004.

Das Buch aus dem ich diese Geschichte übernahm heisst: Doc Hollydays Grab Sie starben in den Stiefeln. Er allerdings starb im Bett.